Ein Regenbogen wirkt wie ein farbiges Band, besteht physikalisch aber aus einem kontinuierlichen Spektrum des Sonnenlichts. Ich ordne die Farben von außen nach innen ein, erkläre die Rolle von Brechung und Reflexion und zeige, warum ein zweiter Regenbogen die umgekehrte Reihenfolge besitzt.
Die Farbreihenfolge lässt sich mit wenigen Regeln sicher verstehen
- Hauptregenbogen: Von außen nach innen folgen Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett.
- Physikalische Ursache: Regentropfen brechen, zerlegen und reflektieren das weiße Sonnenlicht.
- Roter Rand: Rot erscheint außen, weil es unter einem größeren Winkel von etwa 42 Grad austritt.
- Nebenregenbogen: Durch eine zweite Reflexion entsteht ein blasser Bogen mit umgekehrter Farbreihenfolge.
- Beste Sichtbarkeit: Die Sonne steht hinter dem Beobachter, der Regenschauer vor ihm und die Sonne relativ niedrig.
Welche Regenbogenfarben sieht man wirklich
Beim klassischen Hauptregenbogen liegt Rot außen und Violett innen. Dazwischen verläuft das Spektrum in der bekannten Reihenfolge Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett.
| Position im Hauptbogen | Farbe | Ungefähre Wellenlänge |
|---|---|---|
| Außen | Rot | etwa 620 bis 750 nm |
| Orange | etwa 590 bis 620 nm | |
| Gelb | etwa 570 bis 590 nm | |
| Grün | etwa 495 bis 570 nm | |
| Blau | etwa 450 bis 495 nm | |
| Indigo | kein scharf abgegrenzter Bereich | |
| Innen | Violett | etwa 380 bis 450 nm |
Die Aufteilung in sieben Farben ist eine nützliche Konvention, aber keine harte Grenze der Natur. Tatsächlich gehen die Farbtöne fließend ineinander über. Besonders Indigo lässt sich mit bloßem Auge oft nicht klar von Blau oder Violett trennen. Ich würde deshalb bei einer exakten Erklärung immer ergänzen, dass ein Regenbogen ein Spektrum und keine Reihe voneinander isolierter Farbstreifen ist.
Wie Regentropfen weißes Licht in Farben zerlegen
Sonnenlicht erscheint weiß, enthält aber viele sichtbare Wellenlängen. Trifft es auf einen Regentropfen, wird es beim Eintritt von der Luft in das Wasser gebrochen. Das bedeutet, dass sich seine Ausbreitungsrichtung ändert.
Wasser bremst die verschiedenen Lichtanteile unterschiedlich stark. Diese Abhängigkeit des Brechungswinkels von der Wellenlänge heißt Dispersion. Violettes Licht wird stärker abgelenkt als rotes Licht, sodass sich die Farben im Tropfen räumlich voneinander trennen.
Im Inneren des Tropfens wird ein Teil des Lichts an der Rückseite reflektiert. Beim Austritt in die Luft erfolgt eine zweite Brechung. Für den Hauptregenbogen bündeln sich besonders viele Lichtstrahlen in einem Winkel von ungefähr 40 Grad für Violett bis 42 Grad für Rot zur Gegenrichtung der Sonne.
Ein einzelner Tropfen leuchtet dabei nicht wie eine kleine farbige Lampe in allen Richtungen. Für jede Farbe müssen die Position des Tropfens, die Sonne und das Auge des Beobachters passend zueinander liegen. Erst die große Zahl an Tropfen im Regenschauer formt den sichtbaren Bogen.
Warum ein zweiter Regenbogen die Farben umkehrt
Der Nebenregenbogen entsteht, wenn das Licht im Tropfen zweimal statt einmal reflektiert wird. Dadurch verliert es mehr Intensität und tritt unter einem größeren Winkel aus. Deshalb ist dieser äußere Bogen meistens deutlich blasser.
| Merkmal | Hauptregenbogen | Nebenregenbogen |
|---|---|---|
| Reflexionen im Tropfen | Eine | Zwei |
| Farbreihenfolge außen nach innen | Rot bis Violett | Violett bis Rot |
| Helligkeit | Meist kräftiger | Deutlich schwächer |
| Position | Innen | Außen |
Zwischen beiden Bögen liegt häufig ein vergleichsweise dunkler Bereich. Dort gelangen weniger direkt gebündelte Lichtstrahlen zum Beobachter. Der Effekt ist besonders gut bei kräftigem Regen und dunklen Wolken zu erkennen, weil der Kontrast dann größer wird.
Unter welchen Bedingungen der Bogen sichtbar wird
Die wichtigste Regel ist einfach: Die Sonne muss hinter dir stehen, während sich der Regenschauer vor dir befindet. Das Sonnenlicht fällt dann in die Tropfen und wird teilweise in deine Richtung zurückgelenkt.
- Die Sonne sollte möglichst tief stehen, idealerweise am Morgen oder am späten Nachmittag.
- Der Regen oder die Gischt muss sich gegenüber der Sonne befinden.
- Bei einer Sonnenhöhe von mehr als ungefähr 42 Grad liegt der Hauptbogen teilweise oder vollständig unter dem Horizont.
- Von einem erhöhten Standort aus kann sich der sichtbare Bogen deutlich vergrößern.
Am Boden sehe ich deshalb meist nur einen Teilkreis. Aus einem Flugzeug oder von einem hohen Berg kann bei passenden Bedingungen sogar ein fast vollständiger Kreis sichtbar werden. Der Regenbogen selbst ist nicht an einem festen Ort, den man erreichen könnte. Jeder Beobachter sieht den Lichtkegel aus seiner eigenen Position, weshalb sich der Bogen scheinbar mitbewegt.
Was bei den Farben oft falsch verstanden wird
Die häufigste Vereinfachung lautet, jeder Regentropfen zeige alle sieben Farben gleichzeitig. Treffender ist: Jeder Tropfen liefert nur einen bestimmten Teil des Lichts in einem passenden Winkel zu deinen Augen. Viele Tropfen in unterschiedlichen Positionen erzeugen gemeinsam das vollständige Farbbild.
Auch die Farbstärke ist nicht immer gleich. Große Tropfen können einen kräftigeren und klareren Bogen erzeugen, während sehr feine Tröpfchen eher blasse Farben zeigen. Bei besonders gleichmäßigen Tropfen können zusätzlich schmale, helle Streifen auftreten, die als überzählige Regenbögen bezeichnet werden und auf wellenoptische Interferenz zurückgehen.
Lesen Sie auch: Konstruktive Interferenz - Wann Wellen sich wirklich verstärken
Ein einfaches Experiment mit Wasser
Für ein kleines Optik-Experiment reicht ein feiner Sprühnebel an einem sonnigen Tag. Stell dich so auf, dass die Sonne von hinten kommt, und sprühe Wasser in die Luft. Mit etwas Geduld findest du den Winkel, in dem sich ein kleiner Bogen zeigt. Ein Glasprisma kann das Sonnenlicht ebenfalls in Spektralfarben zerlegen, bildet aber nicht automatisch den gekrümmten Bogen am Himmel.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Geometrie. Beim Prisma bestimmt die Form des Glases die Ablenkung, beim Regenbogen übernehmen unzählige kugelförmige Tropfen und ihre Position zur Sonne diese Aufgabe. Das Experiment macht die Dispersion des Lichts sichtbar, ersetzt aber nicht die besondere Tropfenanordnung eines echten Regenbogens.
Was von den sieben Farben wirklich bleibt
Für die schnelle Orientierung genügt die Merkhilfe Rot außen, Violett innen. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch kein starres Sieben-Farben-Muster, sondern ein kontinuierliches Spektrum, das durch Brechung, Dispersion und Reflexion in Regentropfen entsteht.
Gerade diese Verbindung aus einfacher Beobachtung und anspruchsvoller Optik macht das Phänomen so lehrreich. Die Farben sind nicht auf den Tropfen aufgemalt, sondern entstehen aus dem Zusammenspiel von Sonnenlicht, Wasser, Blickwinkel und Bewegung des Beobachters.