Schraubenbelastbarkeit in kg - Die Wahrheit über 8.8 & Co.

Alex Eichhorn .

9. April 2026

Mann bedient Prüfmaschine zur Ermittlung der Zugfestigkeit von Schrauben. Die Ergebnisse werden in einer Tabelle mit Werten in kg dargestellt.

Eine Schraube trägt nicht einfach „ein paar Kilo“ oder „ein paar Tonnen“. Entscheidend sind Festigkeitsklasse, Gewindedurchmesser und die Frage, ob die Last axial, quer oder nur als Vorspannung wirkt. Genau darum geht es hier: Ich zeige, wie man die Zugfestigkeit von Schrauben in Kilogramm einordnet, welche Werte für gängige metrische Schrauben realistisch sind und wo die typische Fehlinterpretation beginnt.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • Technisch korrekt sind Newton, im Alltag wird aber oft in kg gedacht; 1 kN entspricht grob 102 kg Zugkraft.
  • Die Festigkeitsklasse liefert die Basis: 8.8 bedeutet etwa 800 N/mm² Zugfestigkeit und 640 N/mm² Streckgrenze.
  • Die Tabellenwerte unten sind theoretische Bruchlasten für axiale Zugbelastung, nicht automatisch zulässige Dauerlasten.
  • Für eine sichere Auslegung rechne ich je nach Anwendung mit einem Sicherheitsfaktor von etwa 2 bis 4.
  • Feingewinde, Edelstahl, Holzschrauben und Anker folgen anderen Kennwerten und dürfen nicht blind mit dieser Tabelle vermischt werden.
  • Die Belastbarkeit hängt immer vom Gesamtsystem ab, also auch von Material, Einschraubtiefe, Querkräften und Montagequalität.

Was die Werte in Kilogramm wirklich bedeuten

Wenn von Schraubenbelastbarkeit in Kilogramm die Rede ist, ist damit in der Praxis fast immer eine umgerechnete Zugkraft gemeint. Sauber technisch betrachtet wäre Newton die richtige Einheit, denn eine Last von 1 kg erzeugt nicht 1 N, sondern näherungsweise 9,81 N Gewichtskraft. Für schnelle Orientierung ist die Kilogramm-Angabe aber nützlich, solange klar bleibt: Gemeint ist keine pauschale Traglast der Schraube, sondern ein Richtwert für axiale Zugbeanspruchung.

Genau hier entstehen die meisten Fehler. Eine Schraube, die in einer idealen Zugprüfung 3.000 kg aushält, ist nicht automatisch für 3.000 kg in einer echten Konstruktion geeignet. Querkräfte, Biegung, Vibrationen, ungleichmäßige Vorspannung oder ein schwaches Gegenmaterial können die tatsächlich zulässige Last deutlich senken. Damit ist die wichtigste Grundregel schon gesetzt: Erst den Belastungsfall verstehen, dann die Tabelle lesen. Als Nächstes lohnt sich der Blick auf die Festigkeitsklassen, weil sie die Rechenbasis liefern.

Festigkeitsklassen von 4.6 bis 12.9 richtig einordnen

Die Bezeichnung auf dem Schraubenkopf ist kein Zufallscode, sondern beschreibt die mechanischen Kennwerte nach dem üblichen Normsystem für Stahlschrauben. Die erste Zahl steht grob für die Zugfestigkeit in 100 N/mm², die zweite Zahl für das Verhältnis von Streckgrenze zu Zugfestigkeit. Aus 8.8 wird so 800 N/mm² Zugfestigkeit und etwa 640 N/mm² Streckgrenze.

Festigkeitsklasse Zugfestigkeit Rm in N/mm² Streckgrenze Re in N/mm² Praktische Einordnung
4.6 400 240 Einfache Verbindung, geringe bis mittlere Anforderungen
4.8 400 320 Leichte Konstruktionen, etwas höhere Streckgrenze
5.6 500 300 Allgemeine Stahlverbindungen mit moderater Belastung
5.8 500 400 Etwas robuster, aber nicht mit 8.8 verwechseln
6.8 600 480 Mittlere Belastungen, häufig im Maschinenbau zu finden
8.8 800 640 Sehr verbreiteter Standard für tragfähige Schraubverbindungen
10.9 1000 900 Hochfeste Verbindung, anspruchsvollere Montage
12.9 1200 1080 Sehr hoch belastet, präzise Montage nötig

Ich achte bei solchen Tabellen immer auf den Unterschied zwischen Festigkeit und zulässiger Last. Die Zahl 8.8 beschreibt nicht die Traglast in Kilogramm, sondern die Materialkennwerte der Schraube selbst. Für die reale Belastbarkeit braucht man zusätzlich den Schraubendurchmesser, die Gewindesteigung und die Frage, ob die Last nur ziehend oder auch quer angreifend wirkt. Mit diesen Kennwerten im Kopf lässt sich die kg-Zahl deutlich sauberer lesen, und genau das rechne ich im nächsten Schritt für konkrete Größen durch.

Die Tabelle für gängige metrische Schrauben

Für die Praxis interessiert meistens nicht die Normformel, sondern eine schnelle Orientierung: Wie viel Zuglast hält eine M6, M8 oder M10 ungefähr aus? Die folgende Tabelle zeigt theoretische Bruchlasten für metrische Regelgewinde bei reiner axialer Zugbelastung. Ich habe bewusst nur die üblichen Stahlschraubenklassen aufgenommen, weil sich die Werte sonst schnell unübersichtlich machen.

Schraubengröße 4.6 8.8 10.9 12.9
M4 ca. 360 kg ca. 720 kg ca. 900 kg ca. 1.070 kg
M5 ca. 580 kg ca. 1.160 kg ca. 1.450 kg ca. 1.740 kg
M6 ca. 820 kg ca. 1.640 kg ca. 2.050 kg ca. 2.460 kg
M8 ca. 1.490 kg ca. 2.990 kg ca. 3.730 kg ca. 4.480 kg
M10 ca. 2.370 kg ca. 4.730 kg ca. 5.910 kg ca. 7.100 kg
M12 ca. 3.440 kg ca. 6.880 kg ca. 8.600 kg ca. 10.320 kg

Die Werte sind gerundet und gelten als Richtwerte für das Gewinde in Zugrichtung. Feingewinde weichen leicht ab, weil sich der Spannungsquerschnitt ändert. Bei M8 in 8.8 landet man theoretisch schon bei knapp 3 Tonnen Zuglast, was den typischen Denkfehler gut zeigt: Die Schraube selbst ist oft deutlich stärker als das Bauteil, in das sie eingeschraubt wird. Deshalb ist die nächste Frage nicht mehr „Wie viel hält die Schraube?“, sondern „Wie rechne ich daraus eine brauchbare Arbeitslast?“. Genau das kläre ich jetzt.

So rechne ich die Belastbarkeit selbst um

Die Umrechnung ist einfacher, als viele erwarten. Ich gehe immer in drei Schritten vor:

  • Spannungsquerschnitt As der Schraube bestimmen, also die wirksame Fläche im Gewinde.
  • Mit der Zugfestigkeit Rm multiplizieren, damit erhalte ich die Bruchlast in Newton.
  • Durch 9,81 teilen, um einen alltagstauglichen kg-Wert zu bekommen.

Die Kurzform lautet also: kg ≈ As × Rm / 9,81. Für eine M8-Schraube in 8.8 sieht das so aus: 36,6 mm² × 800 N/mm² = 29.280 N, das entspricht rund 2.986 kg Zuglast. Wenn ich daraus eine konservative Arbeitslast ableiten will, teile ich diesen Wert nicht durch 1, sondern je nach Anwendung durch 2, 3 oder sogar 4. Mit Sicherheitsfaktor 3 bleiben aus den knapp 3 Tonnen also nur etwa 1 Tonne als vernünftige Planungsgröße.

Genau dieser Abstand zwischen Bruchwert und Nutzwert ist der Punkt, an dem viele Tabellen im Netz irreführend werden. Sie wirken präzise, sagen aber nichts über Reserve, Fertigungstoleranzen oder Montagefehler. Darum kommt im nächsten Abschnitt der Teil, den ich in der Praxis immer zuerst prüfe: die realen Grenzen der Verbindung.

Warum die Praxis deutlich anspruchsvoller ist

Eine Schraubentabelle ist nur dann hilfreich, wenn man sie nicht als Einzelwert, sondern als Teil eines Systems liest. In der echten Verbindung entscheidet nicht nur die Schraube, sondern auch das Gegenmaterial, die Einschraubtiefe, die Vorspannung und die Art der Belastung. Drei Fälle sind besonders wichtig:

Axialer Zug

Hier ist die Tabelle am verlässlichsten. Wenn die Zugkraft sauber in Längsrichtung auf die Schraube wirkt, lässt sich die Bruchlast gut über Festigkeitsklasse und Spannungsquerschnitt abschätzen. Genau für diesen Fall ist die Übersicht oben gedacht.

Querlast und Biegung

Sobald die Last seitlich angreift, ändert sich das Bild. Dann arbeitet die Schraube nicht mehr nur auf Zug, sondern auch auf Scherung und Biegung. In solchen Fällen fällt die tatsächlich nutzbare Belastbarkeit oft deutlich niedriger aus als der reine Zugwert vermuten lässt.

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Dynamik und lockere Verbindungen

Vibrationen, wechselnde Lasten und schlecht kontrollierte Vorspannung sind klassische Schwachstellen. Eine hochfeste Schraube in 10.9 kann auf dem Papier beeindruckend aussehen und trotzdem früh versagen, wenn die Verbindung nicht sauber geklemmt ist. Gerade bei 10.9 und 12.9 ist deshalb die Montagequalität ein echter Sicherheitsfaktor, nicht nur eine Nebensache.

Hinzu kommt das Gegenmaterial. Eine Stahl-Schraube mit hoher Festigkeitsklasse bringt wenig, wenn das Gewinde in Aluminium, Kunststoff oder weichem Blech ausreißt. In solchen Fällen versagt oft nicht die Schraube, sondern das Bauteil drumherum. Wer diese Grenzen kennt, vermeidet die typischen Fehlannahmen und kommt bei der Auswahl schneller zu einer belastbaren Lösung.

Was ich vor der Auswahl noch mitprüfen würde

Wenn ich eine Schraube nicht nur rechnerisch, sondern für eine echte Anwendung auswähle, gehe ich immer dieselbe Checkliste durch:

  • Schraubenklasse prüfen, damit der Werkstoff überhaupt zur Last passt.
  • Gewindegröße und Steigung prüfen, weil Feingewinde und Regelgewinde leicht unterschiedliche Werte liefern.
  • Lastart klären, also Zug, Scherung, Biegung oder eine Kombination daraus.
  • Gegenmaterial bewerten, weil das Gewinde ausreißen kann, bevor die Schraube selbst bricht.
  • Sicherheitsfaktor festlegen, statt mit dem theoretischen Maximalwert zu planen.
  • Umgebung beachten, also Vibration, Temperatur, Korrosion und Montagezugang.

Wenn ich es knapp auf einen Satz bringen müsste: Für Stahl-Schrauben nach dem üblichen Normsystem liefert die Tabelle eine sehr brauchbare Größenordnung, aber keine Freikarte für die Konstruktion. Für Edelstahl, Holzschrauben, Blechschrauben oder Dübel brauche ich andere Kennwerte und oft auch eine andere Denkweise. Wer das berücksichtigt, liest eine Tabelle nicht nur richtig, sondern trifft auch die deutlich bessere technische Entscheidung.

Häufig gestellte Fragen

Die Festigkeitsklasse 8.8 gibt an, dass die Schraube eine Zugfestigkeit von 800 N/mm² und eine Streckgrenze von 640 N/mm² besitzt. Dies ist ein weit verbreiteter Standard für tragfähige Schraubverbindungen und ein Maß für die Materialkennwerte der Schraube.
Im Alltag ist die Angabe in Kilogramm (kg) intuitiver und einfacher zu verstehen. Technisch korrekt wäre Newton (N), da 1 kg Masse eine Gewichtskraft von ca. 9,81 N erzeugt. Die kg-Angabe dient als schnelle Orientierung für die axiale Zugbeanspruchung.
Sie multiplizieren den Spannungsquerschnitt (As) der Schraube mit ihrer Zugfestigkeit (Rm) in N/mm², um die Bruchlast in Newton zu erhalten. Diesen Wert teilen Sie dann durch 9,81, um einen ungefähren Kilogramm-Wert zu erhalten (kg ≈ As × Rm / 9,81).
Neben der Festigkeitsklasse spielen der Schraubendurchmesser, die Gewindesteigung, die Art der Belastung (axial, quer, Biegung), das Gegenmaterial, die Einschraubtiefe, die Vorspannung und Umgebungsbedingungen (Vibration, Temperatur, Korrosion) eine entscheidende Rolle für die reale Belastbarkeit.
Ja, um eine sichere Auslegung zu gewährleisten, empfehle ich, die theoretische Bruchlast durch einen Sicherheitsfaktor von 2 bis 4 zu teilen, je nach Anwendung und den damit verbundenen Risiken. So erhalten Sie eine realistische Arbeitslast und schaffen eine wichtige Sicherheitsreserve.

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Autor Alex Eichhorn
Alex Eichhorn
Ich bin Alex Eichhorn und beschäftige mich seit über zehn Jahren intensiv mit den Themen Informatik, Naturwissenschaften und moderne Technologien. In meiner Rolle als Branchenanalyst und erfahrener Content Creator habe ich umfangreiche Kenntnisse in der Analyse von Technologietrends und deren Auswirkungen auf verschiedene Industrien entwickelt. Mein Ziel ist es, komplexe Daten und Zusammenhänge verständlich zu machen, damit Leser fundierte Entscheidungen treffen können. Ich lege großen Wert auf objektive Analysen und gründliche Recherche, um sicherzustellen, dass die Informationen, die ich präsentiere, sowohl aktuell als auch vertrauenswürdig sind. Durch meine Leidenschaft für die Wissenschaft und Technologie strebe ich danach, meinen Lesern einen klaren Einblick in die neuesten Entwicklungen und deren Relevanz für die Gesellschaft zu bieten.

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